Der Equalizer arbeitet mit einer graduellen Zustimmung und folgender Bewertungsskala:
– gar nicht erfüllt
– teilweise erfüllt
– mehrheitlich erfüllt
– voll und ganz erfüllt
Die Brüder David und Tom Kelley postulieren, «der Kern der Innovationsfähigkeit besteht im Glauben an die eigene Kreativität» (Kelley, 2014, S. 18). Verbunden mit dem Vertrauen in individuelle Kreativkräfte ist die von Ezio Manzini angesprochene optimistische Haltung, dass wir alle Gestalter:innen sein können, um «über den Status quo hinauszublicken» (Kelley, 2014, S. 35), hin zu einer erwünschten Zukunft. Die Vorstellungskraft als Fähigkeit sei laut Robinson ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal des Menschen von anderen Lebewesen: «It is because of our ability to imagine that we don’t live in the world as other creatures do, we create the worlds in which we live» (Robinson, 2022, S. 3). Doch das Vertrauen in diese Gestaltungskräfte, welches uns als Kinder noch ganz selbstverständlich eingeschrieben war, kommt vielen von uns mit fortschreitender Sozialisation immer stärker abhanden. Dabei komme dem Schulsystem laut Ken Robinson eine besondere Rolle zu, indem es uns das Vertrauen in unser Kreativpotenzial und den Glauben an dessen Wichtigkeit «absozialisiert» (Robinson, 2006). Auch wenn dies wohl nicht für alle Schulen und Menschen im gleichen Ausmass zutrifft, sind wir als Designer:innen häufig mit Erwachsenen konfrontiert, die sich für nicht kreativ halten und gegenüber Kreativitätsmethoden Vorurteile hegen. Das Gestalten fühlt sich ungewohnt an. Es gilt für diese Fälle einen Erfahrungsraum zu eröffnen, in welchem sie wieder Vertrauen in ihre eigene Kreativität zurückgewinnen und in Bezug dazu Selbstwirksamkeit erleben. «Zweifel an der eigenen Kreativität können zerstreut werden, indem man Menschen durch eine Reihe kleiner Erfolge führt. Eine Erfahrung, die gewaltigen Einfluss auf ihr übriges Leben haben kann.» (Kelley, 2014, S. 58).
Selbstwirksamkeit bedeutet die Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können (vgl. Bandura, 1997). Selbstwirksamkeitsüberzeugung führt dazu, dass Dinge aktiv angepackt werden. Ist Selbstwirksamkeitsüberzeugung nicht oder in geringem Masse vorhanden, lassen sich Menschen nicht auf einen Prozess ein. Um Selbstwirksamkeitsüberzeugung zu steigern, lohnt es sich, Erfolgserlebnisse in kleinen Schritten zu organisieren. Wirksam ist es auch, good-practice-Beispiele als Vorbilder heranzuziehen. Positives mündliches Framing («wir schaffen das!») und das Herausstreichen des individuellen Anteils am Erfolg kann ebenfalls Einfluss auf die Selbstwirksamkeitserwartung haben. Leider gilt jedoch auch das Gegenteil, wenn zum Beispiel Vorgesetzte oder Teammitglieder sich abwertend über die eigenen Fähigkeiten äussern.
Kreativität – laut Peter Kruse eine indirekte Variable – kann nicht hergestellt werden. Wir können nur kreativitätsfördernde Rahmenbedingungen schaffen, in denen Teams eine Chance haben, kreativ zu werden (Kruse, 2007). Es muss gelingen, ein Klima der «Möglichkeiten» zu schaffen, in welchem schlummernde Kompetenzen aufscheinen können. Designer:innen sind dabei Expert:innen für das Entdecken von Möglichem. Der Ansatz des Creative Capacity Building zielt darauf ab, die Gestaltungspotenziale zu fördern, damit Betroffene ermächtigt werden können, die Prozesse selbst zu steuern und anzuleiten. So werden sie zu wirklichen Expert:innen, nicht nur für ihre eigenen Bedürfnisse, vielmehr für das Gestalten der notwendigen Prozesse. In Organisationen ist Creative Capacity Building auch Teil der Kulturentwicklung, mit der Kreativität einen bedeutsamen Stellenwert erhalten kann.